Törn: Waren – Röbel – Rechlin – Mirow – Strasen – Rheinsberg – Rechlin – Waren


Die „Mecklenburger Kleinseenplatte“ ist das Ziel dieses Wochentörns ohne Bootsführerschein auf einer Charteryacht. In dieser Flusslandschaft reihen sich kleinere und größere Seen malerisch aneinander. Viele Abstecher sind möglich, die mit ihrem Charme jede Tour bereichern und Individualität verleihen.

1. Tag: Nach dem Start in Waren (Müritz) kann nach ungefähr 15 Kilometern in knapp 2 Stunden Röbel erreicht werden. Der grüne Tonnenstrich steuerbords zeigt den Kurs auf der Müritz an, vorbei an den hellleuchtenden Gebäuden der Schlossanlage Klink und der Sietow-Bucht. Der Binnensee vor Röbel hat Liegeplätze am Gemeindesteg vor dem großen Parkplatz. Hier liegt die Charteryacht ideal mit Buganker und Heckleinen an der Steganlage. In unmittelbarer Nähe der Ortsmitte sind viele Einkaufsmöglichkeiten vorhanden. Der Turm der Marienkirche von Röbel bietet einen wunderschönen Panoramablick über die Müritzregion. Ein besonderer Tipp am Westufer des Binnensees ist die Halbinsel mit dem Hotel „Seestern“, umringt von großen Baumwipfeln. Zwei Stege mit ausrechender Wassertiefe verleiten zur Einkehr. Auf der Gartenterrasse werden schmackhafte Gerichte mit herrlichen Ausblicken dekoriert.

Von Röbel aus wird der Törn mit der Charteryacht Richtung Rechlin mit Abstecher zum Bolter-Kanal über 20 Kilometer fortgesetzt. In ungefähr 2 Stunden wird das Endziel erreicht. Am Bolter-Kanal, für zahlreiche Wassersportler ein beliebtes Ziel mit Sandstrand zum Baden, kann viel Zeit verstreichen. Besonders wenn Kinder an Bord sind, findet das Spielen im Sand und Wasser kein Ende. Jedoch bis Rechlin mit dem weit sichtbaren Schornstein der Schiffswert ist es nicht mehr weit. Am geschützten Ufer des Claassees wird bei der Marina Müritz in ruhiger Lage angelegt. Hier wird der Wellengang mit Schaumkronen auf der Müritz bei stärkerem Wind schnell vergessen. Die Gewässer der nächsten Tage sind kleiner und ruhiger.

2. Tag: Dieser Tag kann ebenso in eine Vormittags- und Nachmittagstour unterteilt werden oder das Endziel wird direkt angesteuert. So sind es von Rechlin bis Mirow 16 Kilometer. Die 1,5 bis 2 Stunden Fahrzeit wird durch eine Schleuse vor Mirow, mit 3 m Wasserstandunterschied abwärts, auf dem Müritz-Havel-Kanal unterbrochen. Der unterschiedliche Uferbewuchs lockert die Kanalfahrt angenehm auf. Nur der gerade Verlauf erinnert an den Eingriff in die Natur von Menschenhand. Dieses Gewässer nutzen nur noch Sportboote. Die Berufsschifffahrt wurde eingestellt. Nach dem Passieren der historischen Schleuse mit den Hubtoren biegt die Charteryacht links nach Mirow ab. Als Ort des Friedens bezeichneten die Slawen diese Ansiedlung. Bei der Brücke muss vorsichtig gefahren und die Durchfahrtshöhen beachtet werden. Die Liegeplätze im Stadthafen vor der Schlossinsel können nur vorwärts angelaufen werden und rückwärts geht es dann durch die Enge hinaus. Hier ist es ratsam, rechtzeitig Ausschau zu halten, ob freie Anlegestellen vorhanden sind. Die Bugstrahlruder bei den Charteryachten sind für dieses Manöver ideal. Hinter der Schlossinsel sind weitere Liegeplätze. Wer besonderen Wert auf Ruhe legt, der schippert über den Mirower See weiter bis Granzow. Jedoch für eine ausgiebige Mittagspause ist die Stadtnähe sicher beliebter. Entspannt kann durch den romantischen Schlosspark gewandelt werden. Eine Liebesinsel muss es hier natürlich ebenso geben, erreichbar über eine Brücke mit kunstvoll schmiedeeisernem Geländer. Ebenso geht es hier den Kirchturm hinauf. Von oben sieht die Welt so einfach aus. Wer nur einfach ankern möchte, während in der Kombüse das Essen brutzelt, der entdeckt nordwestlich in der Bucht des Mirower Sees ein Plätzchen für das Motorboot. Mit dem Beiboot ist der Kiosk auf dem Campingplatz erreichbar.

Nach der „Siesta“ lockt der romantische Teil der Mecklenburger Kleinseenplatte. Ab Mirow geht es über 21 Kilometer mit 2 Schleusen in ungefähr 3 Stunden auf direktem Weg nach Strasen. Vom Zotzensee durch die Schleuse Diemitz über den Labussee Richtung Schleuse Canow bis zum Kleinen Pälitzsee wird eine einzigartige, waldreiche Seenkette passiert. Die Bäume scheinen ins Wasser hineinzuwachsen. Stille Schilfbuchten bieten kleine Paradiese für Naturliebhaber, laden zum Relaxen ein. Hektischer Straßenverkehr ist weit weg. Haubentaucher bestaunen vorsichtig den Eindringling in ihrem Revier. Reizvolle Abstecher können diesen Törn weiter ausdehnen. Idyllisch ist es einfach überall. Vor der Schleuse Strasen endet dann diese Tagestour. Es ist spät geworden. Im Hotel „Zum Löwen“ können gebührenpflichtig Sauna und Dusche genutzt werden. Das ist besonders bei regnerischem Wetter sicher eine willkommende Abwechslung. Die Forellenzuchtanlage in der Nähe verkauft appetitlichen Frisch- und Räucherfisch.

3. Tag: Es ist an der Zeit, mal einen geruhsamen Tag einzuplanen. Rheinsberg ist nur 17 Kilometer entfernt und die direkte Fahrzeit mit der Schleuse Wolfsbruch am Hüttenkanal könnte ungefähr 3 Stunden dauern. Recht schmale Brücken müssen passiert werden. Sie sind oft niedrig. Es ist ratsam, beim Einbiegen in den Hüttenkanal den Mast zu legen. Das erspart ständige Grübeleien, ob die Höhe ausreichend ist. Ein bisschen stellt sich Nadelöhr-Mentalität ein. Auf jeden Fall muss die Fahrgeschwindigkeit gedrosselt werden. Die Mecklenburger Kleinseenplatte bietet viele romantische Seen für eine Ankerpause. Bereits bei Kleinzerlang beginnen die Rheinsberger Gewässer. Den Wasserwanderer erwartet erneut ein abwechslungsreiches Landschaftsbild mit vielen Möglichkeiten, vom direkten Weg abzukommen. Die Zechliner Gewässer sind knapp 9 Kilometer lang und unverbaut. Straßen und Uferweg gibt es nicht. Beim Ankern kann sich die Crew unbeobachtet fühlen. Am Ende lohnt sich ein Bummel durch den Ort Flecken Zechlin mit den hügeligen Straßen, bevor es zurück Richtung Rheinsberg geht. Rheinsberg mit seinem Schloss lockt auf Land und auf dem Wasserweg jährlich zahlreiche Touristen an. Verbunden ist dieser staatlich anerkannte Erholungsort mit Erinnerungen an Friedrich II, Theodor Fontane und Kurt Tucholsky. Historische Gemäuer prägen die Altstadt der „Perle des Ruppiner Landes“, nicht am Rheinsberger See sondern am Grienericksee sich ausdehnend. Das Schlosspanorama bietet eine romantische Kulisse für stilvolle Hochzeiten. Besucher können durch die Parkanlage mit den geschichtsträchtigen Gemäuern spazieren. Hier wird von einem Musterbeispiel des sogenannten Friederizianischen Rokokos gesprochen. Dieses hatte für Schloss Sanssouci in Potsdam eine Vorbildwirkung. Ebenso ist Rheinsberg für Keramik-Liebhaber eine interessante Adresse. Am Markt und in der Rhinpassage gibt es Ausstellungsgalerien. Interessant sind Werkverkäufe. Bevor der Charme dieser Stadt aufgesaugt werden kann, muss für die Charteryacht eine Anlegestelle geordert werden. Vor dem Anleger der Fahrgastschifffahrt ist eine Kaianlage mit Strom, Wasser, WC und Dusche von 40 m Länge. Da hofft jeder auf ein freies Plätzchen. Ansonsten stehen noch der Wasserwanderclub Rheinsberg und der Yachthafen Rheinsberg zur Auswahl. Nach gelungenem Anlegemanöver entspannt durch die Straßen bummeln, bei einer Tasse Kaffee die Beschaulichkeit einer Kleinstadt genießen und sich ruhig mal treiben lassen, das ist Rheinsberg, eine Stadt nicht nur für Verliebte.

4. Tag: Jetzt muss die Mannschaft auf dem Charterboot eine Entscheidung fällen. Die Prognosen von Petrus spielen sicher ebenso eine Rolle wie die komplette Urlaubsplanung. Mit einem langen Törn von 43 Kilometern und 4 Schleusen könnte das Motorboot nach 6 bis 7 Stunden abends in Rechlin südlich der Müritz einlaufen. Die Schleusen sind kein Problem mehr, alle Abläufe vertraut. Die Landschaft mit ihrer Idylle und Verwandelbarkeit berührt noch einmal die Seele. Vielleicht begleitet sogar etwas Wehmut den Törn.

Wer viel Zeit im Gepäck hat, kann diese Strecke ebenso auf zwei Tage aufteilen. Dabei den Großen Pälitzsee umrunden und vielleicht bis Priepert fahren. Und dann am nächsten Tag noch vor dem Anlegen in Rechlin über den Müritzarm einen Abstecher nach Buchholz am Müritzsee einplanen. Auf diesen ruhigen, abgelegenen Gewässern kann der Anker geworfen und die Schönheiten der Mecklenburger Seenplatte entspannt genossen werden. Oder es wird der Ort Buchholz erkundet. Nach anmutigen Flusswindungen durch Wiesen und einsame Buchten an schilfigen Ufern erwartet den Besucher eine Dorfstraße mit alter Lindenallee. In der Sonne döste eine Katze, Schwalben segeln dahin. Kaum ein Auto stört die Mittagsruhe. Auf dem Gelände der Ferienanlage lädt die Gaststätte „Zum Storchennetz“ rund um den alten Backofen von 1869 zum Speisen ein. „Ut Pütt un Pann“ ist das Motto für typisch Mecklenburger Gerichte.

5. Tag: Der Törn mit der Charteryacht geht dem Ende entgegen. Noch einmal wird die Müritz bezwungen. Die Wetterlage meint es gut. Mit einer geruhsamen Fahrt kann von Rechlin aus in 2,5 Stunden Waren (Müritz) erreicht werden. Noch immer beeindruckt die Weite auf dem Wasser, besonders wenn der Dunst das Ufer vis á vis verschluckt. Segler nutzen die ideale Wetterlage auf dem „großen Wasser“ und gleiten mit langen Schlägen dahin. Es ist noch einmal ein Wetter zum Ankern und einen letzten Badespaß in flachen Uferregionen. Dann ist das Abenteuer Charteryacht ohne Bootsführerschein zu Ende, ängstliche Neulinge bestiegen vor einigen Tagen die Yacht, gelassene „Seemänner“ verlassen dieses.

Nachtrag: Von Strasen aus kann ebenso Richtung Wesenberg der Törn gestartet werden. Die Strecke ist ungefähr 15 Kilometer mit den Schleusen Strasen und Wesenberg lang, je nach Endziel. In 2Stunden könnte diese Strecke geschafft sein. Seen inmitten von Waldregionen prägen die Landschaft um Wesenberg. Die Eiszeit war Landschaftsarchitekt. Für Wassersportler erschließt sich hier ein Urlaubsparadies. Das Anlegen in unmittelbarer Stadtnähe bietet sich für einen Landgang durch eine Kleinstadt mit ländlichem Charme an. Der stilvoll restaurierte Marktplatz gestattet einen Blick in die geschichtliche Entwicklung von Wesenberg. Eine Reise in die Vergangenheit für große Leute bietet das Museum für Blechspielzeug. Die kleinen Geister staunen verwundert, was es vor der Kunststoffwelt gab. Wer noch mehr Historisches liebt, der entdeckt bei den Resten der Stadtmauer und dem Fangelturm mit Aussichtsplattform Interessantes. Im Burginnerem sind die Touristinformation und eine Heimatstube eingerichtet. Als Herzstück des Forstmuseums wird die Darre bezeichnet. Zur Samengewinnung wurden dort früher Zapfen von Nadelbäumen getrocknet.

Ebenso bietet sich von Strasen aus die Reiseroute Richtung Fürstenberg/Havel an. Hier sind auf der Entfernung von 16 Kilometern 3 Schleusen und die Fahrzeit kann mit ungefähr 2,5 Stunden geplant werden. Durch ein Patent wurde der Begriff Wasserstadt geschützt. Mehr als die Hälfte der Stadtfläche ist Wasser. Auf drei Inseln zwischen Röblinsee, Baalensee und Schwedtsee wird Fürstenberg/Havel von Havelarmen gesäumt. Der historische Stadtkern, Stadtquartiere in Wassernähe und vielseitige Uferzonen prägen heute den Luftkurort als Urlaubsparadies im Land Brandenburg.